Nun ist es rum!

2. September 2019 0 Von MoritzHu

Das mit dem Blogschreiben hat ja mal nur mäßig gut geklappt. Ich hatte keine Zeit …. und der Laptop kaputt … keine Möglichkeit …. na ja, jetzt ist es ja auch zu spät.

Seit nun schon fast 3 Wochen bin ich wieder zurück in Deutschland beziehungsweise auf Sardinien im Familienurlaub.

Die letzten Monate vergingen rasend schnell.

Anfang April kamen meine Großeltern und mein Cousin zu Besuch und wir unternahmen eine zwei-wöchige Rundreise durch Namibia. Von den Dünen im Süden über die Küste bis zum Etosha Nationalpark im Norden. Nachdem die drei wieder geflogen waren, hatte ich noch fast 2 Wochen Ferien übrig, weshalb ich mit 7 weiteren Freiwilligen einen Roadtrip durch den Norden Botswanas, die Victoriafälle und durch den Kawangostreifen zurück nach Windhoek unternommen habe. Eine wunderbare Reise mit atemberaubenden Eindrücken, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Ein paar Eindrücke:

Dingane und ich in unserem Safariboot

Ein Elefant der vor uns den Fluss kreuzte

Diese Krododile hatten soeben ein Elefantenbein gegessen und lagen nun mit vollen Magen am Ufer

 

Zum Ende der Ferien mussten wir dann noch alle zu einem Seminar nach Reoboth, das hauptsächlich vom DOSB „organisiert“ war. Das hieß, dass eine Dame des DOSB nach Namibia geflogen ist und dann mit uns zusammen 3 Tage einem sehr interessanten Programm von zwei Einheimischen lauschte, bei den praktischen Übungen saß die Dame am Rand. Das Seminar hatte den Titel „sports for development“ und zeigte uns wie wir beispielhaft Werte und Moral spielerisch in unser Coaching einbringen können. Mir ist bis heute nicht ganz klar, warum die sehr nette Entsandte hierfür 20.000 km um die Welt geflogen ist.

Nachdem wir wieder zurück waren, fing auch schon wieder die Schule an und es ging zum Endspurt. Wir begannen mit dem Hockeytraining, das der Nachfolger von Basketball für das Specialolympics war. Da aber die zuständige Lehrerin, gleichzeitig auch unsere Zuständige für den Kreis Windhoek, nicht ein Mal zum Training aufgetaucht ist, mussten wir das Hockeytraining alleine machen. Generell war es sehr schwierig, sich bei einer weißen Person über eine andere weiße Person zu beschweren. Auch wenn wir selbst ja weiß sind und die Beschwerde berechtigt war. Es wurden immer Ausreden gesucht und nicht selten hat man dann eine andersfarbige Person gefunden die schuld war, aber dazu später mehr.

Im Unterricht konnten wir immer höhere Anforderungen an die Kids stellen und wir konnten sehen wie sich alle weiterentwickelten! Das war super.

Und auch mit dem Fußballtraining ging es gut vorran. So ist Frazi schnell auch den Wünschen der Mädchen gefolgt und begann ein Training nur für die Mädchen – was super ankam bei den Kindern. Ich begann Mitte Juni mit Spielen meiner Jungs gegen die Nachbarschulen und wir gewannen sogar. Das gab den Jungs natürlich riesiges Selbstbewusstsein und einen wahnsinnigen Motivationsschub. So hörten sie auf, auf dem Feld zu beleidigen und zu fluchen und dann konnten kleine technische Details mehr und mehr umgesetzt werden. Es machte einen riesen Spaß!

Privat wurde unser Verhältniss zu James und seiner Familie immer besser, so dass wir die letzten Wochen eigentlich jeden Freitag bis Sonntag mit ihnen verbracht haben und wenn mal nicht, dann war ich sehr oft bei Clint in seiner „Hood“.

Der Blick wenn man vom Taxi zu Clint läuft…ich werde ihn vermissen

Leider wurde es in der Schule im letzten Monat sehr ungemütlich. Es gab Streit, anfangs zwischen dem Prinziple und einem Teil des Staffs, doch dann war es irgendwann durch sehr unprofessionelles Verhalten der Schulleiterin so weit, dass ALLE, auch die Weißen, sehr unzufrieden waren mit dem Verhalten der Direktorin. Das ging sogar so weit, dass Franzi und ich am Ende die ganze Zeit von der Leiterin angemotzt wurden für Sachen, für die wir nichts konnten. Eigentlich hatten wir uns bewusst aus diesem Streit herausgehalten, auch wenn wir sehr gut mit James befreundet waren und daher natürlich sehr viel mitbekommen haben. Leider wurde uns von der Seite unseres Chefs nicht viel geholfen. Es hieß nur „manchmal muss man sich als weiße Frau mal gegen den schwarzen Staff durchsetzten“ was überhaupt nicht nötig war, denn der Staff war sehr zufrieden mit der Leiterin und keiner hatte meines und James Wissen nach ein Problem mit ihr. In diesem Zug haben wir dann auch leider mitbekommen, wie die Einstellung vieler Weißen in Namibia gegenüber den Schwarzen ist und da unsere Chefin ebenfalls eine weiße Namdeutsche ist, wundert mich die Aussage jetzt im Nachhinein nichtmehr. Trotzdem bin ich immer noch sehr sauer und auch ein wenig traurig darüber, dass es so zu Ende gehen musste. Alle Lehrer, außer der Direktorin, kamen aber am Ende, nachdem wir nochmal zur Schnecke gemacht worden waren, zu uns und haben uns versichert, dass keiner ein Problem mit uns hat sonderm im Gegenteil dass wir das sehr gut gemacht hätten und wir uns da nicht unterkriegen lassen sollen. Vorallem der (einzigen) weißen Lehrerin tat es sehr leid und sie hat uns zu sich eingeladen. Sie wollte sich entschuldigen, obwohl sie auch sehr unzufrieden mit dem Verhalten ihrer Vorgesetzten war, was ich eine sehr nette Geste fand die mir gezeigt hat, dass alle anderen Lehrer egal welcher Hautfarbe mit unserer Arbeit zufrieden waren. Ich hoffe sehr, dass das Ganze sich jetzt bis zur Ankunft der neuen Freiwilligen beruhigt hat und man nicht mehr dumm angemacht wird weil man mit einem schwarzen Lehrer viel besser befreundet ist als mit der weißen Direktorin.

Parallel dazu gab es aber noch ein sehr schönes Ereignis!

Nachdem seine Schwester zwei Wochen zuvor geheiratet hatte, hat auch James seine Kaushi zur Frau genommen und standesamtlich geheiratet. Die große traditionelle Hochzeit folgt noch in den nächsten Jahren und da werde ich auf jeden Fall wenn nur irgendwie möglich anreisen.

Nun bin ich also wieder zurück und ich muss sagen: ich hatte mehr Kulturschock als zu der Zeit als ich nach Namibia eingereist bin. Alles ist so eng und grün hier und es muss immer alles sofort passieren. Und auch mit meinem mir angewöhnten „Townshipgang“ war ich hier falsch. Meine Mutter sagte mir im Supermarkt: „Nun lauf doch nicht immer so als stichst du gleich jemanden bei einem falschen Wort ab“. Mit dem Familienurlaub habe ich mich jetzt aber wieder relativ gut eingewöhnt und warte auf meinen Studienstart!